Die andere Seite der Trauer

Der Verlust eines geliebten Menschen ist immer hart. Er trifft uns oftmals unvorbereitet und schmerzt. Ich habe meinen besten Freund, Wegbegleiter und sicherlich einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben im Jahr 2005 verloren. Es handelt sich dabei um meinen Vater, der auf einem Tennisplatz in Spanien verstorben ist.

12. Juni 2005. Ich sitze im Flugzeug nach Alicante. Sitzplatz 17 A. Es ist der Tag »danach«. Heute würde ich sagen, es war Tag 1 nach dem tödlichen Herzinfarkt meines Vaters.

In Endlosschleife höre ich die Lieder »Mein Weg« und »Abschied nehmen« von Xavier Naidoo und Herbert Grönemeyer. Beide Sänger behandeln in diesen Liedern den Verlust von Menschen. Während ich diese Lieder immer wieder höre, fühlt es sich für mich so an, als würden die Wolken auf die Seite gehen. Mir wird plötzlich ganz klar, was der Sinn dahinter ist, warum mein Vater von uns gegangen ist. Denn ich glaube fest daran, dass alles in unserem Leben aus einem bestimmten Grund passiert und einen Sinn hat.

In meinem speziellen Fall war der Sinn eigene Entscheidungen zu treffen, meinen eigenen Weg zu finden und zu gehen. Nicht mehr die Entscheidungen von anderen abhängig zu machen. Nicht mehr die Ratschläge von anderen als Grundlage zu verwenden, um Entscheidungen zu treffen. Das habe ich früher sehr häufig getan. Diese Erkenntnis klingt so banal, doch für mich war sie extrem wichtig. Mein Vater war mein Vorbild, insbesondere im geschäftlichen Bereich. Daher folgte ich seinen Ratschlägen, oftmals ohne zu reflektieren, ob diese auch meinen Wünschen und Vorstellungen entsprachen.

Mit dieser Erkenntnis und mit der Zeit wurden aus dem Schmerz und der Traurigkeit schließlich Dankbarkeit, Hoffnung und Zuversicht. Auch wenn ich es im Laufe des Lebens immer mal wieder vergessen hatte – wenn ich neue Entscheidungen treffen muss, denke ich stets daran zurück.

Eine der Fragen, die ich mir damals stellte – und ich glaube auch sehr viele Menschen stellen sich diese –, ist: Warum? Warum passiert das jetzt? Warum geht dieser Mensch jetzt?

Aus meiner Erfahrung neigen sehr viele Menschen dazu, in dieser Warum-Frage zu bleiben. Eine Warum-Frage ist jedoch immer auf die Vergangenheit gerichtet. Wir leben – daher sollten wir die Frage in eine Wozu-Frage verändern. Eine Wozu-Frage ist auf die Zukunft ausgerichtet.

Wozu nützt mir das? Und wenn ich mir diese Frage einmal eingehämmert habe und es schaffe, mental loszulassen, dann kommen auch die Antworten – völlig automatisch.

Glauben Sie mir nicht? Probieren Sie es aus. Ich freue mich auf Ihr Feedback.